Da ich des Öfteren gefragt werde, wie denn meine Aufnahmen so zustande kommen,
möchte ich euch in diesem Beitrag mal einen Einblick in meine Arbeit als Natur- und Landschaftsfotograf geben.

Eines muss vorweg gleich gesagt werden:

„Gute Aufnahmen gelingen nur sehr selten zufällig, vielmehr beginnt der Weg zum Bild bereits lange vor dem Drücken des Auslösers.“

Die Bildidee

Manche Bildideen entwickeln sich über einen langen Zeitraum. Als erfahrener Fotograf hat man meist so einige Motive im Hinterkopf, welche man gerne ins richtige Licht setzen würde.

Aber was tun, wenn man gerade mal keine Idee für ein neues Motiv hat? Woher holt man sich dann Bildideen, bzw. Anregungen für eine Aufnahme?

  • Das eigene Bildarchiv
    Immer wieder entdecke ich bei der Durchsicht meines eigenen Bildarchives bis Dato noch ungenützte Potentiale für eine gute Aufnahme.
    Warum das? Gerade als Einsteiger, oder in den ersten Jahren der Fotografie sieht man nicht an jedem Platz auf Anhieb Potential für gute Aufnahmen. Und so zahlt es sich immer aus auch seine älteren Bilder nach bisher unentdeckten Motiven und Blickwinkeln zu durchsuchen.
  • Das Internet
    Es gibt wohl keine bessere und umfangreichere Quelle zur Informationsbeschaffung als das Internet. Seien es Bilder von anderen Fotografen, E-books mit speziellen Informationen zu bestimmten Regionen und deren fotografischen Möglichkeiten oder diverse Fotoforen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.
  • Bücher
    Bildbände, Wanderführer, etc… sind eine sehr gute Quelle für Inspirationen und eignen sich perfekt dazu so manch langen Winterabend für die Planung von Sommertouren zu nutzen.

Die Detailplanung für den Aufnahmeort selbst

Hat man eine Bildidee für sich gefunden und ist der Ort festgelegt, beginnt die Detailplanung.
Auch hier greife ich als erstes auf die moderne Technik zurück.
Mit Programmen wie Google Maps oder Google Earth schaue ich mir die Umgebung und die Lage des Motivs genauer an und mache mich auf die Suche nach geeigneten Aufnahmestandpunkten.

Dabei stellen sich –unter anderem- meist folgende Fragen:

  • Was ist das Hauptmotiv und aus welchem Blickwinkel möchte ich es fotografieren?
    Soll z.B. die aufgehende Sonne mit auf das Bild, wenn ja, ist das Hauptmotiv überhaupt so ausgerichtet dass man eine solche Aufnahme umsetzen kann?
  • Wie sieht der Hintergrund zu meinem Hauptmotiv aus?
    Gibt es einen ansprechenden Hintergrund (z.B. ein markanter Gipfel oder eine große Bergkette)für das Motiv? Bei Landschaftsaufnahmen sind neben dem Hintergrund auch noch weitere Bildelemente wie z.B. Vordergrund und Mittelgrund entscheidend. Wobei die Gestaltung diese Bildelemente meist erst vor Ort beurteilt wird.
  • Wie ist das Licht vor Ort?
    Gerade in der Natur- und Landschaftsfotografie ist Licht der entscheidende Faktor für ein gelungenes Bild.
    Daher gilt es genau zu wissen, wie es um die Sonnenauf- bzw. Untergangszeiten bestellt ist, oder in welchem Winkel das Licht vor Ort zu einem gegebenen Zeitpunkt scheint.

Es gibt hier mehrere Softwareprogramme welche Unterstützung bieten können.
Ich nutze schon seit Jahren das Programm „The Photographer`s Ephemeris

Es handelt sich dabei um ein sehr umfangreiches Programm welches Informationen nicht nur zur Sonne sondern auch zu Mond und zu astronomischen Ereignissen liefert. Die Desktopversion ist kostenlos via Wepapp nutzbar. Möchte man auch mobil auf die Funktionen des Programms zurückgreifen, gibt es kostenpflichtige Apps für Apple und Android Smartphones.
„Leider“ ist dieses Programm nur in Englischer Sprache verfügbar. Mit etwas Übung sollte man damit aber auch so klarkommen.

The Photographers Ephemeris


Die Detailplanung für den Weg zum Aufnahmeort

Die Wegplanung

Straßen zu Bergzielen und Aufstiegshilfen wie Lifte oder ähnliches sind im Vergleich zu touristisch voll erschlossenen Gebieten im Nationalpark Hohe Tauern nur wenige vorhanden und so muss ich meist, mit mehreren Stunden für den Anstieg zu einer Fotolocation rechnen. Unverzichtbar für die genaue Planung des Weges sind dabei die dementsprechenden Karten des ÖAV (Österreichischen Alpenvereins).
Übersicht über die derzeit verfügbaren Karten des Alpenvereins

Mit ihnen lassen sich Distanzen und Höhenmeterdifferenzen genau bestimmen und die erforderlichen Wegzeiten dementsprechend gut abschätzen.
Liegt der geplante Aufnahmeort in der Nähe einer Hütte oder z.B. eines Bergsees kann man auch in einschlägigen Wanderführen oder im Internet Zeitangaben für die geplante Tour finden.

Damit man vor Ort noch genügend Zeit hat den für sich besten Aufnahmestandort zu finden, empfiehlt es sich mindestens 1h vor dem geplanten „Fotozeitpunkt“ (z.B. Sonnenaufgang) vor Ort zu sein.
Der Wetterbericht

Der Wetterbericht ist aus zwei Gesichtspunkten ein entscheidender Faktor und MUSS in jeder Planung berücksichtigt werden.

  • Alpine Gefahren auf Grund von Schlechtwetter
    Wie entwickelt sich das Wetter im Tagesverlauf bzw. während der Tour?
    Besonders in den Bergen darf man bevorstehende Schlechtwetterfronten keinesfalls unterschätzen! Z.B. kann es selbst im Hochsommer innerhalb weniger Stunden zu massiven Schneefällen in den Bergen kommen. Eine weitere Gefahr besteht durch Gewitterzellen welche sich rasch aufbauen und sich mit Hagel, Blitz und Sturmböen in entladen. Hat man in solchen Fällen keinen Zufluchtsort (Berghütte) in der Nähe kann es rasch zu lebensgefährlichen Situationen kommen.
  • Der Einfluss des Wetters auf das Bild
    Welche Bewölkung ist zu erwarten? Föhnwolken, Cirruswolken, gibt es denn überhaupt Wolken?
    Gerade in der Landschaftsfotografie gilt ein „blitzblauer“ Himmel als langweilig.
    Selbst wenn es regnet –oder sogar gerade dann- können stimmungsvolle Aufnahmen gelingen. Ein stundenlanger Anmarsch bei Schlechtwetter für einen Sonnenaufgang macht ganz abgesehen von den Gefahren allerdings wenig Sinn.

Achtung:
In den Bergen generell und besonders im Nationalpark Hohe Tauern sind die Wege zu Fotoplätzen oftmals weit und erfordern meist Bergerfahrung. Sollte jemand nicht über dementsprechende Erfahrung verfügen, empfehle ich dringend sich einen Bergwander oder Bergführer für eine Tour zu buchen!

Die Ausrüstung

Sind soweit alle Punkte geklärt und die notwendigen Informationen eingeholt, geht es noch darum welche Ausrüstung vorzubereiten ist.
Neben der Fotoausrüstung ist geeignete Bekleidung mitzunehmen.
Hier vertraue ich auf das bereits allgemein bekannte „Zwiebelprinzip“ also Funktionsbekleidung in mehreren Schichten.
Falls ich plane mehrere Stunden vor Ort zu verbringen (z.B. um abends auf den Sonnenuntergang zu warten) nehme ich meistens noch meinen kleinen Expeditions-Gaskocher mit. Es geht nichts über eine warme Mahlzeit oder einen Schluck heißen Tees.
Ebenfalls geht dann meist mein Schlafsack mit auf Tour, denn wenn man während des Wartens auf einem Gipfel in den Schlafsack kriechen kann, spart man Energie und man hält sich leichter warm.

Der Einzige Nachteil der ganzen Ausrüstung, man muss sie selbst tragen. So kommen bei einer Tour mit dem gesamten Equipment schnell mal an die 30 kg Gepäck zusammen.
Bei einem Aufstieg von mehreren hundert Höhenmetern, bei Nacht und ggf. teilweise in unwegsamen Gelände, eine nicht gerade bequeme Art Gipfel zu besteigen.

Gelungene Aufnahmen garantiert?

Trotz bester Vorbereitung und Tourenplanung, kann man meist erst am Berg selbst die tatsächlichen Verhältnisse abschätzen. So entscheiden in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst oft wenige Tage darüber ob man nach stundenlangem Anstieg die Küchenschellen noch blühend vorfindet, oder ob auf der Eisfläche des zugefrorenen Bergsees bereits Schnee liegt und man das Foto daher nicht wie geplant umsetzten kann.
Dann heißt es gegebenenfalls improvisieren und sich vor Ort neu inspirieren lassen.
Und ab und an, gehört auch eine Portion Glück dazu zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Bei vielen Motiven bedarf es schlussendlich mehrerer Anläufe bis die Aufnahmen so umgesetzt werden konnten wie man es sich beim Planen zu Hause in der warmen Stube vorgestellt hat.

 

Danke an meinen Bruder Berthold für die Bereitstellung der Bilder :)